Fußball in der Eurokrise

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Wirkt sich die Eurokrise auf den Fußball aus?

Wirtschaftlich geht es in Europa drunter und drüber. Nach der schweren Bankenkrise in den Jahren 2008 und 2009 erschüttert momentan die Euro-Krise den Kontinent. Die Regierungen haben Kürzungen angekündigt. Alle Bereiche sind betroffen, auch der Fußball. In der neuen Saison haben Toppklubs jedoch wie eh und je Unsummen für Transfers ausgegeben. Doch wie liquide sind die Klubs wirklich? Macht sich die Krise in diesem Bereich bereits bemerkbar und wie geht es in der Zukunft weiter?

Europäische Toppklubs – Ein finanzielles Abbild der Krisenländer

In der vergangenen Transferperiode verpflichtete Real Madrid Luka Modric für 30 Millionen Euro, Manchester United sicherte sich Robin van Persie für 32 Millionen und der FC Chelsea gab 40 Millionen für Eden Hazard aus. Alle drei Klubs gehören zu den am höchsten verschuldeten Vereinen der Welt und ihre Heimatländer leiden unter der Finanzkrise. Nach aktuellen Schätzungen sollen die Schulden von Real Madrid bei über einer halben Milliarde liegen, Manchester United steht mit mehr als 300 Millionen in der Kreide und der FC Chelsea erhielt Darlehen in Höhe von 500 Millionen von seinem Gönner Abramowitsch.

Astronomische Zahlen, und dennoch hat sich an der Finanzpolitik der Klubs nichts geändert. Teure Stars werden hinzugekauft und durch Schulden finanziert, anstatt selbst ausgebildet zu werden. Große Erfolge werden eingeplant und nicht erreicht, Subventionen von den Regierungen erwartet, um das Überleben zu sichern. Die finanzielle Situation dieser Klubs ähnelt inzwischen derer ihrer Heimatländer; Spanien steckt mitten in der Finanzkrise und auch Großbritannien befindet sich inzwischen in der Rezession. Die Fußballklubs werden von Subventionen, Krediten und den Fans am Leben gehalten.

Eine düstere Zukunft

Fußballklubs genießen oft eine finanzielle Sonderbehandlung in ihren Ländern. Sie sind ein Prestigeobjekt auf internationaler Ebene und befinden sich in enormem Wettstreit. Unternehmen, die eine ähnliche Verschuldungsrate wie die Klubs aufwiesen, wären schon lange in der Insolvenz. Doch Real Madrid genießt exklusive Steuerprivilegien und erhält sogar Subventionen von der spanischen Regierung. Angesichts der sich zuspitzenden Situation in den Ländern erscheint es jedoch als unwahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Neue Kontrollgremien, die die Klubs regulieren, wurden erst vor kurzer Zeit eingeführt.

So sollen etwa alle spanischen Vereine ihre Schulden bis 2020 zurückzahlen. Auch wenn das unrealistisch ist, werden so erste Signale gesendet, die Besserung geloben. Währenddessen sinken die Werbeeinnahmen der Vereine durch die Finanzkrise gewaltig, was sich zusätzlich negativ in den Bilanzen deutlich macht. Lediglich in der Bundesliga sieht die Entwicklung positiv aus.

Die Euphorie ist ungebrochen

Der Faszination Fußball tut dies jedoch keinen Abbruch. Der Fußball besitzt auch beim Fan gewisse Sonderrechte, sodass hierfür besondere Ausgaben ermöglicht werden. So ist die Entwicklung der Zuschauerzahlen in den europäischen Toppligen durchweg positiv oder zumindest stabil, obwohl die Preise der Eintrittskarten kontinuierlich ansteigen. Während es während der Bankenkrise 2008 und 2009 ein Absacken bei den Zuschauerzahlen gab und daraufhin die Preise in Spanien und England um bis zu 25 Prozent gesenkt wurden, ist eine solche Entwicklung bei der momentanen Euro-Krise noch nicht auszumachen.

Der Zuschauer-Krösus Bundesliga hält so seinen ständigen Wachstumskurs durch. In den Jahren 2009, 2010 und 2011 wurde die durchschnittliche Besucherzahl von 41.800 auf 41.900 bis hin zu 42.100 Zuschauer gesteigert. Die Englische Premier League steigerte seine Zuschauerzahlen im letzten Jahr von 34.200 Zuschauern auf 35.300 Zuschauer. Auch im krisengeschüttelten Spanien und Italien sind die Zahlen stabil, nachdem sie während der Bankenkrise 2008 stark abgesackt wahren. Dieses Phänomen der Fantreue setzt sich bei den Fanartikeln fort; hier erreichen viele Klubs Rekordabsätze bei Trikots, Stickabzeichen und Fanschals. Und dies wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht ändern, denn wo der Fußball auftritt, da geht es um Emotionen, um Leidenschaft, um Identität.

Kein Fan wird seinen Kontoauszug kontrollieren, wenn seine Lieblingsmannschaft im Stadion spielt. So blüht der Fußball; unabhängig vom Geld.

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